Der kleine Hobbit Der kleine Hobbit

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Der kleine Hobbit eine VorVor-Geschichte zum „Herrn der Ringe“

Ursprünglich als Gute-Nacht-Geschichte für seinen Sohn Christopher gedacht, hat John Ronald Reuel Tolkien die Geschichte „The Hobbit or There and Back Again“ im Jahre 1937 veröffentlicht. Sie war der Auftakt für alle Geschichten rund um die Fantasie-Welt „Mittelerde“. Viel später folgten dann (unter anderem) „Der Herr der Ringe“ und „Das Silmarillion“.

J. R. R. :Tolkien Der Hobbit oder Hin und zurück Aus dem Englischen von Wolfgang Krege Stuttgart: Klett Cotta / Hobbit Press 2008 www.klett-cotta.de ISBN 978-3-608-93805-0 310 Seiten * 16,00 € * ab 11 Jahre

Ich erinnere mich daran, dass mir das Buch von meiner Mutter vorgelesen wurde – ich habe mich schrecklich vor den Orks und den Riesenspinnen gefürchtet. Später habe ich ihn dann selbst gelesen – und es war das erste Buch, an welches ich mich im englischen Original gewagt habe. Ob „Der kleine Hobbit“ pädagogisch besonders wertvoll ist, vermag ich nicht zu sagen. In der Geschichte fließt Blut, und es geschehen gruselige Dinge, aber auf jeden Fall ist die sie spannend, schnell und humorvoll erzählt. Dabei leidet sie als frühes Werk Tolkiens noch an stilistischen Schwächen. So werden Ereignisse und mythische Lebewesen

in

einer

sehr

schnellen

Folge

nacheinander

vorgestellt

bzw.

aneinandergereiht, sodass man den Eindruck erhält, dass der Autor zuerst eine Liste alle Figuren erstellt hat, um danach eine Geschichte zu erdenken, welche diese Figuren möglichst zügig miteinander verbindet. Es mag jedoch auch daran liegen, dass eine gute Gute-Nacht-Geschichte jeden Abend ein „Highlight“ benötigt – dann wäre es wieder gewollt – und als „Vorleser“ bin ich Herrn Tolkien sehr dankbar für diese schnellen und kurzen Episoden. „Der Herr der Ringe“ könnte man so nicht vorlesen.

Das Julim Journal ist ein Angebot der AG Jugendliteratur und Medien, die außerdem unter www.ajum.de eine Rezensions-Datenbank betreibt. Auf dieser unabhängigen Plattform finden Sie Besprechungen zur aktuellen Kinder- und Jugendliteratur, oftmals bewusst mehrere zu einem Titel.

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Im Laufe der Zeit musste der Autor viele Änderungen an der Geschichte vornehmen, um sie mit den späteren Geschichten abzugleichen und erzählerische Unstimmigkeiten zu entfernen. Es gibt zwei deutsche Übersetzungen. Die ältere ist von Walter Scherf (1957) und die neuere ist von Wolfgang

Krege

(1997). Die Übersetzung

von

Scherf ist die bekanntere, die Übersetzung von Krege die deutlich bessere. Diese neue Übersetzung – die mir hier vorliegt – beinhaltet nun auch die dritte Überarbeitung des englischen Originalwerks (von 1966), und viele Eigennamen und Ereignisse sind mit der deutschen Ausgabe von „Der Herr der Ringe“ abgestimmt.

Der „Hobbit“ wurde bisher noch nicht verfilmt, und daher kennen wahrscheinlich noch nicht so viele Leute den Inhalt der Geschichte – die Verfilmung kommt in zwei Teilen ab Dezember 2011 in die Kinos (wieder von Peter Jackson). Deshalb kurz zum eigentlichen Inhalt: Es wird die Geschichte von Bilbo Beutlin erzählt, einem Hobbit. Hobbits sehen aus wie sehr kleine Menschen, noch ein Stück kleiner als Zwerge. Sie tragen keine Schuhe, sie laufen auf ihren nackten, stark behaarten und verhornten Füßen, leben in gemütlichen Wohnhöhlen mit unzähligen Vorratskammern und sie hassen Abenteuer. Bilbo – der kleine Hobbit – wird aus seinem abenteuerlosen Alltag gerissen, als der Zauberer Gandalf und eine Horde von 13 Zwergen bei ihm einfällt und ihn dazu drängt, an einer Schatzsuche teilzunehmen. Es geht darum, dem Drachen Smaug einen alten Zwergenschatz zu entwenden – und es zu überleben. Bilbo wird von Gandalf als Meisterdieb verdingt – dafür soll er ein Vierzehntel des Schatzes erhalten. Auf dem Weg zum Drachenhort treffen die Gefährten auf Trolle, Elben, Riesen, Orks, Riesenspinnen, Wölfe, Riesenadler, Gestaltwandler, einen Drachen und auf viele andere mythische Figuren. Es vergehen sogar Tage, an denen es keine regelmäßigen 6 Mahlzeiten gibt – für einen Hobbit undenkbar! Es folgt Abenteuer auf Abenteuer und Bilbo wünscht sich alle paar Buchseiten an seinen heimischen Kamin zurück. Als er mit Schätzen beladen nach einer langen Reise wieder ins Auenland zurückkommt, nimmt er sich vor, seine Geschichte in einem Buch niederzuschreiben. Das Buch soll den Titel „There and Back Again / Hin und zurück“ tragen.

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J. R. R. Tolkiens schriftstellerische Leistungen werden meiner Meinung nach oftmals überbewertet. Es gab – und gibt – unzählige andere Schriftsteller dieses Genres, die ebenfalls sehr gute Bücher und fantastische Welten erschaffen haben, man denke nur an C. S. Lewis mit seinen Geschichten um die Welt „Narnia“ (50er Jahre; für Kinder geeignet) oder Ursula K. Le Guin mit dem „Erdsee“-Zyklus (60er/70er Jahre; für Jugendliche). Tolkien hat sich in „Der kleine Hobbit“ häufig bei anderen Autoren und deren Geschichten bedient und viele Elemente des Fantasie-Genres aneinandergereiht. So finden sich Elemente aus der Nibelungensage, aus der nordischen Mythologie und aus Beowulf. Diese Feststellung sehe ich übrigens nicht als Vorwurf, da sich viele Autoren an den Ideen anderer orientierten – vollkommen legitim. Doch Tolkien wird oftmals als „der Erfinder des Fantasie-Genres“ dargestellt. Ein solcher war er (natürlich) nicht; diesen Mythos hätte er sich selbst auch sicherlich nicht gewünscht. Er hatte – neben tollen eigenen Ideen und einem vorzüglichen Schreibstil – auch einfach Glück, dass seine Geschichten (besonders „Der Herr der Ringe“) Kultstatus erreicht haben. Grund dafür war unter anderem eine unautorisierte Kopie von „The Lord of the Rings“ in den USA, die in den 60er Jahren in den Studentenkreisen die Runde machte und über den „Reiz des Verbotenen“ zu einem Kultbuch wurde.

Das Buch ist uneingeschränkt empfehlenswert. Für die jüngeren Kinder sollte man die schrecklichsten Stellen jedoch überlesen oder anpassen. Ich denke, ab etwa 12 Jahren sollte man das Buch flüssig selbst lesen können; die Sätze sind mitunter recht lang und konstruiert – auf eine schöne Art und Weise (selbst und besonders in dieser Übersetzung). Jeder, der die alte Übersetzung kennt, sollte sich die (neue) Übersetzung von Wolfgang Krege gönnen. Wer das Buch gar nicht kennt, dem sei es ans Herz gelegt.

Aktuell lese ich das Buch abends meiner Tochter (5 Jahre) vor, und sie ist von den Figuren Bilbo, Gandalf und Gollum besonders beeindruckt und freut sich jeden Tag aufs Neue auf eine Handvoll Seiten (und beim Vorlesen hat man immerhin die Möglichkeit, die etwas schrecklicheren Stellen kindgerechter auszuschmücken).

Alexander von Gostomski für © www.julim-journal.de

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